TikTok baut die Kommentarspalte um: Sprachkommentare, Umfragen und Fotokarussells kommen
TikTok baut seine Kommentarspalte deutlich aus. Nutzer können mit Sprache, mehreren Fotos und Live-Fotos reagieren, Creator können direkt unter ihren Videos Umfragen starten. Wir zeigen, wie die neuen Funktionen funktionieren und warum Kommentare für Unternehmen immer mehr zur Content-Quelle werden.

Fakten zuerst: TikTok erweitert seine Kommentarspalte um mehrere neue Funktionen. Nutzer können künftig Sprachkommentare von bis zu 60 Sekunden aufnehmen und mehrere Fotos in einem einzigen Kommentar veröffentlichen. Creator können direkt unter ihren eigenen Videos Umfragen starten. Auch Live-Fotos lassen sich als Kommentar teilen. Einige Funktionen sind bereits weltweit verfügbar, andere werden im Laufe des Septembers global ausgerollt.
Wer auf TikTok nur das eigentliche Video anschaut und danach weiterscrollt, verpasst manchmal einen wichtigen Teil.
Unter einem Kochvideo diskutieren Nutzer über alternative Rezepte. Unter einem Reisevideo teilen Menschen eigene Erfahrungen. Unternehmen beantworten Fragen und bekommen dabei Hinweise darauf, welche Themen ihre Community beschäftigen.
Wie wichtig dieser Bereich für TikTok geworden ist, zeigt eine Zahl: Nach eigenen Angaben werden auf der Plattform jeden Tag mehr als 1,7 Milliarden Kommentare veröffentlicht.
Jetzt baut TikTok diesen Bereich deutlich aus. Sprache, Umfragen, Fotokarussells und Live-Fotos machen aus der Kommentarspalte einen immer vielseitigeren Content-Bereich.
TikTok führt Sprachkommentare ein
Eine der auffälligsten Neuerungen sind die Voice Comments.
Nutzer können direkt unter einem TikTok eine Sprachnachricht aufnehmen und als Kommentar veröffentlichen. Dafür erscheint ein Mikrofonsymbol im Kommentarfeld.
Ein Sprachkommentar darf bis zu 60 Sekunden lang sein. Andere Nutzer können ihn anschließend direkt in der Kommentarspalte anhören. TikTok rollt die Funktion im Laufe des Septembers weltweit für Accounts von Nutzern ab 18 Jahren aus.
Das verändert die Art der Reaktion durchaus. Ein kurzer Text wie „Das ist mir auch passiert“ transportiert weniger als eine gesprochene Geschichte von 30 Sekunden. Stimme bringt Tonfall, Emotion und Persönlichkeit in eine Diskussion, die bislang überwiegend schriftlich stattgefunden hat.
Für Voice Comments gelten dieselben Community Guidelines wie für andere Inhalte. TikTok setzt bei der Moderation unter anderem automatisierte und menschliche Systeme sowie Speech-to-Text-Transkription ein.
Für Unternehmen entsteht damit ein zusätzlicher Inhaltstyp, der im Community Management berücksichtigt werden muss.
Umfragen kommen direkt in die TikTok-Kommentare
Die zweite Neuerung dürfte gerade für Creator und Unternehmen interessant sein.
Creator können unter ihren eigenen Videos eine Umfrage als Kommentar veröffentlichen. Bis zu fünf Antwortmöglichkeiten sind möglich. Zusätzlich lässt sich festlegen, wie lange die Abstimmung laufen soll. Die Funktion ist laut TikTok bereits weltweit verfügbar.
Das eröffnet einige ziemlich naheliegende Möglichkeiten.
Ein Restaurant zeigt drei neue Gerichte und fragt: „Welches davon soll auf die neue Karte?“
Ein Unternehmen kann unter einem Erklärvideo fragen: „Welches Thema sollen wir als Nächstes genauer zeigen?“
Ein Arbeitgeber könnte wissen wollen: „Welchen Bereich unseres Unternehmens möchtet ihr als Nächstes sehen?“
Die Community muss dafür nicht in eine Story wechseln oder einen Link öffnen. Die Abstimmung findet dort statt, wo die Diskussion ohnehin bereits läuft.
Interessant wird das vor allem, wenn Unternehmen anschließend mit den Ergebnissen weiterarbeiten. Stimmen beispielsweise 70 Prozent für ein bestimmtes Thema und wenige Tage später erscheint dazu ein Video, wird aus einer kleinen Interaktion ein echter Dialog.
Bis zu neun Bilder in einem TikTok-Kommentar
Auch die bereits vorhandenen Fotokommentare werden erweitert.
Mit Photo Carousel Comments können Nutzer künftig bis zu neun Fotos innerhalb eines einzigen Kommentars veröffentlichen. Die Funktion wird im Laufe des Septembers weltweit ausgerollt.
Unter einem Reisevideo können Nutzer damit beispielsweise mehrere eigene Urlaubsbilder teilen. Bei einem DIY-Video lassen sich Ergebnisse zeigen, unter einem Rezept verschiedene Varianten.
Ein Kommentar kann dadurch selbst zu einem kleinen Carousel werden.
Auch Live-Fotos werden zu Kommentaren
Hinzu kommen Live Photo Comments.
Nutzer können Live-Fotos aus ihrer Galerie direkt als Kommentar hochladen. Beim Betrachten entsteht ein kurzer Bewegungseffekt, bevor das vollständige Bild geöffnet wird. Diese Funktion ist laut TikTok bereits weltweit verfügbar.
Damit bietet die Kommentarspalte inzwischen eine erstaunliche Bandbreite: Text, Bilder, mehrere Bilder, bewegte Fotos, Umfragen und jetzt auch Sprache.
TikTok macht aus Kommentaren eigenen Content
TikTok beschreibt die eigene Kommentarspalte als einen Ort, an dem die Geschichte eines Videos weitergeht. Die neuen Funktionen passen ziemlich gut zu dieser Vorstellung.
Ein Nutzer veröffentlicht ein Video. Ein anderer erzählt darunter per Voice Comment eine Geschichte. Jemand ergänzt eigene Fotos. Der Creator startet eine Abstimmung und aus den Reaktionen entsteht die Idee für ein weiteres Video.
Der ursprüngliche Post ist damit manchmal nur der Ausgangspunkt für weiteren Content. Für Unternehmen verändert das den Blick auf Community Management.
Kommentare können zur Content-Quelle werden
Kommentare zu beantworten gehört längst zu guter Social-Media-Arbeit. Spannender wird es, wenn man die Kommentarspalte nicht ausschließlich als To-do-Liste betrachtet. Denn dort sagen Menschen ziemlich offen, was sie interessiert.
Sie stellen Fragen, berichten von Erfahrungen, widersprechen, wünschen sich bestimmte Inhalte oder zeigen, an welcher Stelle etwas noch nicht verständlich ist.
Nehmen wir ein Unternehmen, das ein TikTok über ein Produkt veröffentlicht. Mehrere Nutzer fragen unabhängig voneinander, ob das Produkt auch für einen bestimmten Anwendungsfall geeignet ist.
Natürlich können diese Fragen einzeln beantwortet werden. Ihre Häufung liefert aber gleichzeitig einen Hinweis: Dieses Thema interessiert die Community.
Die nächste Reaktion könnte deshalb ein eigenes Video sein, das genau diese Frage beantwortet. Aus Community Management wird Content-Planung.
Gerade die neuen Umfragen verstärken diesen Effekt. Unternehmen können ihre Community direkt fragen, welche Themen, Produkte oder Einblicke sie interessieren.
Eine solche Abstimmung ersetzt keine Marktforschung und sollte auch nicht die gesamte Content-Strategie bestimmen. Sie liefert aber ein direktes Signal von Menschen, die sich bereits mit den eigenen Inhalten beschäftigen.
Mehr Möglichkeiten bedeuten mehr Community Management
Die Entwicklung hat allerdings noch eine zweite Seite. Wenn Nutzer nicht nur Texte schreiben, sondern Sprachnachrichten hinterlassen, Fotostrecken posten und an Diskussionen teilnehmen, wird die Kommentarspalte umfangreicher.
Gleichzeitig betreuen Unternehmen häufig mehrere Plattformen.
Unter einem TikTok wartet eine Frage. Auf Instagram kommt eine Direktnachricht. Unter dem LinkedIn-Post entwickelt sich eine Diskussion. Auf einem weiteren Kanal fragt jemand nach einem Produkt.
Das eigentliche Problem moderner Community-Arbeit liegt deshalb häufig nicht in einem einzelnen Kommentar.
Die Gespräche finden überall statt.
Und je vielfältiger die Möglichkeiten zur Interaktion werden, desto wichtiger wird es, diese Gespräche sinnvoll zu organisieren.
Community Management mit KNOWYOURCHAT
Bei KNOWYOURCHAT werden Kommentare und Direktnachrichten aus den angebundenen Social-Media-Kanälen in einer zentralen Inbox zusammengeführt. So muss ein Social-Media-Team nicht ständig zwischen verschiedenen Plattformen wechseln, um neue Gespräche im Blick zu behalten.
Auch die AI Crew unterstützt dabei. Sie kennt die Kommunikation des Unternehmens, hilft bei der Priorisierung und kann passende Antworten vorbereiten.
Interessant wird es anschließend mit den Erkenntnissen aus der Community. Tauchen bestimmte Fragen immer wieder auf, kann daraus ein neues Content-Thema entstehen. Reagieren Nutzer auf einen Inhalt besonders stark, liefert das Hinweise für die weitere Strategie.
Die Kommentarspalte wird damit nicht einfach abgearbeitet. Sie zeigt, was die Community tatsächlich beschäftigt.
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Fazit: Bei TikTok endet ein Video nicht mehr beim Video
Sprachkommentare, Umfragen, Fotokarussells und Live-Fotos wirken einzeln betrachtet wie kleine Produktupdates. Zusammen zeigen sie ziemlich deutlich, wie TikTok seine Kommentarspalte weiterentwickelt.
Menschen sollen dort erzählen, zeigen, abstimmen und miteinander diskutieren. Für Unternehmen macht das Community Management umfangreicher, gleichzeitig aber auch wertvoller.
Denn unter einem guten TikTok stehen im besten Fall nicht einfach möglichst viele Kommentare.
Dort stehen Fragen, Meinungen, Erfahrungen und Ideen von Menschen, die sich bereits mit dem eigenen Content beschäftigen.
Wer diese Gespräche aufmerksam verfolgt, findet dort möglicherweise schon das Thema für den nächsten Beitrag.



